Konditorin des Jahres 2026: Kira Egitsch im Interview
Sie hat es geschafft: Kira Egitsch aus der Konditorei Schurr in Stuttgart ist die neue Konditorin des Jahres 2026. Mit ihrem Sieg beim Wettbewerb „Konditor des Jahres" setzt sie ein klares Zeichen für handwerkliche Exzellenz, Kreativität und unbrechbare Zielstrebigkeit. Drei Monate intensive Vorbereitung, Vollzeitjob, Prüfungsausschuss und Nebengewerbe. Kira hat es unter einen Hut bekommen und beweist damit, dass großes nur durch leidenschaftliche Arbeit entsteht. Wir haben mit ihr über ihre Vorbereitung, ihren Weg in die Konditorei und ihre Zukunftspläne gesprochen.

Liebe Kira, Herzlichen Glückwunsch zum Titel, wie fühlt sich das an?
Es fühlt sich sehr schön an, den Titel zu tragen. Schon viele Jahre hatte ich den Wunsch, eines Tages am Wettbewerb teilzunehmen, und meine Zielstrebigkeit hat sich natürlich auch einen Sieg erhofft. Während des Wettbewerbs war ich komplett auf mich und das Gelingen meiner Produkte fokussiert. Ich hatte gar keine Zeit darüber nachzudenken, ob ich eine Chance auf den Sieg habe. Wir hatten für die verschiedenen Produkte vorgegebene Abgabezeiten – da musste ich wirklich konzentriert bleiben, um meine Produkte vollständig und pünktlich abgeben zu können.
Drei Monate Vorbereitung, wie schaffst du das neben Vollzeitjob und Nebengewerbe?
Auf den Wettbewerb habe ich mich circa drei Monate vorbereitet. Ich habe Vollzeit gearbeitet, war zudem im Prüfungsausschuss tätig und hatte Aufträge mit meinem Nebengewerbe – ich denke, das war eine der größten Herausforderungen, all das unter einen Hut zu bekommen. Die Nachmittage bis in den späten Abend und meine freien Tage habe ich komplett für die Vorbereitung auf den Wettbewerb genutzt.
Die Rezeptentwicklung war sehr zeitintensiv. Ich habe viel ausprobiert, abgeändert, teils verworfen und neu begonnen, um am Ende Produkte zu haben, hinter denen ich vollkommen stehen konnte. Die Vorbereitung war wirklich eine sehr intensive Zeit. Ich bin oft an meine Grenzen gestoßen und im Nachhinein daran gewachsen.
Worauf hast du dich beim Training konzentriert?
Zum Beispiel arbeite ich im Berufsalltag öfter und lieber mit Kuvertüre als mit Zucker und Isomalt. Ich habe mich nochmal viel tiefer mit diesem Werkstoff auseinandergesetzt und dadurch routinierter damit arbeiten können. Teilweise war es sehr anstrengend, nach der Arbeit direkt weiterzupowern und neue Inspiration und Kreativität aus den Fingern zu schütteln, um die Wettbewerbsprodukte zu kreieren – dennoch hat es wirklich sehr viel Spaß gemacht und hat meinen Horizont erweitert.
Wie bist du zur Konditorei gekommen?
Zur Konditorei bin ich durch meine Uroma gekommen. Nach ihr habe ich auch einen meiner Travelcakes benannt – das Ur-Rezept stammt von ihr und war mein absoluter Lieblingskuchen. Ich habe ihn etwas modifiziert und modernisiert, um ihn wettbewerbstauglich zu bekommen. Mit meiner Uroma habe ich in meiner frühen Kindheit sehr viel gebacken und hatte mir schon als Kind in der Küche vorgestellt, wie ich einmal einen eigenen Laden voller Kuchen habe, wenn ich groß bin.
Du hast vor dem Wettbewerb bereits an vielen Lehrlingswettbewerben teilgenommen – was unterscheidet den „Konditor des Jahres" davon?
Der Wettbewerb unterscheidet sich vor allem in der Anzahl und Vielfalt der geforderten Produkte von meinen bisherigen Wettbewerben. Bei diesem Wettbewerb müssen in einer vorgegebenen Zeit alle geforderten Produkte vor Ort hergestellt werden. Bei anderen Wettbewerben wie dem Championnat du Chocolat konnte man das geforderte Schokoladenschaustück vor Ort zusammensetzen und präsentieren – alle anderen Arbeiten wurden im Vorfeld ohne Zeitvorgaben zuhause beziehungsweise im Betrieb ausgeführt.
Auch beim Landesentscheid gab es Produkte, die teils vorgefertigt mit zum Wettbewerb gebracht werden konnten. Der „Konditor des Jahres"-Wettbewerb ist somit eine ganz andere Herausforderung.
Was bedeutet dieser Titel für deine Karriere?
Der Titel „Konditor des Jahres" ist für mich in erster Linie der Lohn für sehr harte Arbeit. Nicht nur die letzten Monate, sondern über meine komplette berufliche Karriere ist es mir immer schon wichtig gewesen, mich weiterzubilden und Neues zu lernen.
Zudem öffnet der Titel doch einige neue Türen – durch neue Kontakte und das Interesse der Presse. Auch die Kunden freuen sich sehr über den Titel und sind ganz begeistert von mir und den Produkten. Die positiven Rückmeldungen freuen mich besonders!
Was ist dein nächster Fokus – weitere Wettbewerbe?
Die nächste Zeit habe ich noch keine weiteren Wettbewerbe geplant. Fürs erste möchte ich meinen Fokus neben der Arbeit voll auf mein Nebengewerbe legen. Ich verkaufe seit einigen Jahren Elisenlebkuchen und habe einen Weihnachtsmarktstand in meinem Heimatort – all das ist auch sehr kräftezerrend und zeitintensiv.
Was ist deine Botschaft an andere junge Konditoren und Konditorinnen?
Meiner Meinung nach ist Durchhaltevermögen sehr wichtig! Der Beruf des Konditors ist wunderschön – wir haben eine unheimlich große Vielfalt an Produkten, Techniken und Aufgaben, die wir täglich bewältigen dürfen. Aber das macht ihn auch wirklich anstrengend. Es gibt viele harte Tage, die vielleicht nicht immer Spaß machen, aber am Ende muss man diese überstehen. Die schönen Tage gibt es noch mehr!
Der Beruf lebt vom handwerklichen Geschick und viel Übung. Ganz nach dem Pareto-Prinzip: Mit 20 % Aufwand erhält man 80 % des Ergebnisses. Möchte man allerdings auch die restlichen 20 % des Ergebnisses erreichen, kosten diese verhältnismäßig viel Aufwand, nämlich 80 %.
Am Ende muss jeder für sich selbst entscheiden, wie viel Aufwand und Arbeit man bereit ist zu leisten. Aber für gute Prüfungs- und Wettbewerbserfolge muss man sehr viel Zeit, harte Arbeit und gegebenenfalls Kapital für Formen, Rohstoffe und Arbeitsmaterialien investieren, um sein gewünschtes Ergebnis erzielen zu können. Aber auch die Leidenschaft und der Spaß am Beruf dürfen dabei nicht verloren gehen.
Was ist dein persönlicher Ausgleich zur intensiven Arbeit?
Mein Ausgleich zur Arbeit und dem Beruf ist für mich der Sport im Fitnessstudio und das Laufen gehen – da kann ich am besten abschalten. Zudem treffe ich gerne Freunde und besuche Konditoreien, was die letzten Monate während der Wettbewerbsvorbereitung allerdings leiden musste.
Welches ist dein liebstes Wettbewerbsprodukt?
Der Travelcake „Omas Schmuckstück" hat mein Herz erobert. Bei der Vorbereitung und beim Probebacken hat es genau so gut geduftet wie damals bei meiner Uroma in der Küche. Einige meiner Wettbewerbsprodukte konnte ich am Ende überhaupt nicht mehr sehen – der Travelcake war allerdings immer mein Liebling.
Interview: DKB, Foto: Johanna Krimm




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